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100 wichtige Bücher (Nachtbibliothekars Version | Juli 2026)

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Bücherlisten, wie zum Beispiel die kürzlich zusammengestellte Liste »The 100 best novels of all time« oder die »Readers’ top 100 novels of all time«, lese ich gerne. Sie helfen mir bei der Kalibrierung meiner persönlichen Lektüreauswahl, lassen mich Bücher entdecken, die mir bis dahin unbekannt waren und helfen manchmal sogar über gelegentliche Leseflauten hinweg. Sie sind retrospektiv und werden oft von mehreren Menschen zusammengestellt. Da ich alleine bin, folgt nun einfach eine persönliche Liste von mir.

Entstanden ist die Liste »100 wichtige Bücher« bei Reisen durch meine Bücherregale. Sie ist eine Momentaufnahme, die in ein paar Wochen schon wieder anders aussehen könnte. Neben einzelnen Romanen habe ich auch ganze Roman-/Buchreihen aufgenommen, dazu kommen einige (Auto-)Biographien und Sachbücher. Einige Autoren und Autorinnen tauchen mehrfach auf. Warum sollte ich mich beschränken, wenn ich die Bücher einer Autorin oder eines Autors mag? Um es einmal gesagt zu haben: Es sind alles Bücher, die ich vollständig gelesen habe. Entsprechend fehlen zahlreiche Bücher, die in den bekannten Kanon-Listen der Klassiker auftauchen. Nicht dabei sind zudem Bücher aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, da wäre fast schon eine eigene Liste notwendig. Sorry, dear Alice! Förlåt, kära Pippi! Tut mir leid, liebe Momo!

Die Aufzählung von 100 bis 1 ist nicht als Wertung zu lesen, es ist eine einfache Nummerierung. »100 wichtige Bücher« (Nachtbibliothekars Version) ist eine persönliche Liste von Büchern, die mich bislang in meinem Leben begleitet haben. Die Betonung liegt auf »wichtig«: wichtig für meine persönliche Entwicklung und Leseerfahrung. Die literarische Qualität ist in diesem Zusammenhang nicht das entscheidende Kriterium, sondern die Wirkung, Einfluss, neue oder andere Perspektiven und manchmal auch nur der reine Unterhaltungswert. Wobei nach meinem Literaturverständnis das eine das andere nicht unbedingt ausschließt. Also: Die Liste ist kein Kanon oder Gegen-Kanon. Wenn Ihr Bücher entdeckt, die Euch interessieren, dann freut mich das, aber die Liste will auch keine ausdrückliche Leseempfehlung sein. Sie ist Bestandsaufnahme und pure, persönliche Leselust. Die wünsche ich Euch jetzt beim Stöbern auch!

Kindlers Literaturlexikon
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100 wichtige Bücher – Nachtbibliothekars Version

100 bis 76: Realistische Fiktionen, fiktive Realitäten und ein wenig Dickens

  • 100. Neil Bartlett: Ready To Catch Him Should He Fall (dt.: Alles von mir)
    Märchenhaft verfasstes Debüt über eine Liebesbeziehung zwischen »dem Jungen« und dem älteren »G« (im englischen Original heißen sie »Boy« und »O«), die in der Bar von Madame zueinander finden. Ein stilistisches Bravourstück, das hierzulande trotz Übersetzung kaum Beachtung fand. Von diesen »ungesehenen« Büchern werden sich auf der Liste noch einige finden.

  • 99. Joe R. Lansdale: The Bottoms (dt.: Die Wälder am Fluss)
    Finsterer Krimi über Rassismus in den 1930er Jahren im ländlichen Texas. Immer wieder Schockmomente beim Lesen. Die deutsche Übersetzung, die in der legendären »DuMonts Kriminal-Bibliothek« erschien, stammt übrigens von Mariana Leky, die einige Jahre später mit ihren eigenen, wunderbaren Romanen bekannt wurde.

  • 98. Bret Easton Ellis: The Shards (dt.: The Shards)
    Kühl-distanzierte Erinnerungen an das Leben der 1980er Jahre, in denen ein Serienmörder mit dem Namen »Trawler« sein Unwesen treibt. Mit seinem bekanntesten Werk American Psycho war ich überfordert, The Shards hingegen mag ich. Bonus: Schöne Playlist mit Musik des Jahrzehnts.

  • 97. Susan Hill: Howards End Is on the Landing: A Year of Reading from Home (keine deutsche Übersetzung bekannt)
    Während ich hier versuche, 100 Bücher zusammenzutragen, hat sich die britische Schriftstellerin Susan Hill für ihre Bücherliste auf »The Final Forty« beschränkt. Hill, vor allem für ihre Kriminalromane und Geistergeschichten bekannt, hat diese Liste an das Ende ihres wunderbaren Buches Howards End Is on the Landing gesetzt.
    Ihre Grundidee ist simpel: Sie verzichtet für ein Jahr bei ihrer Lektüreauswahl auf neu erschienene Bücher und liest statt dessen die Bücher, die bei ihr Zuhause im Regal stehen. Okay, das ist jetzt gegenüber Buchhändlerinnen und Buchhändlern unfair, hilft aber dabei, den eigenen Stapel ungelesener Bücher (SUB) abzubauen. Bei Hill wird daraus zudem eine persönliche Literaturgeschichte vor allem der englischen Literatur. Schade, dass das Buch bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurde.
    Siehe auch: Zwischen den Regalen – Über Susan Hills »Howards End is on the Landing« in diesem Blog.

  • 96. Dorothy L. Sayers: Gaudy Night (dt.: Aufruhr in Oxford)
    Ein Krimi, der keinem traditionellen Schema folgt und auch als Universitätsroman gelesen werden kann. Anonyme Drohungen beunruhigen die Bewohnerinnen und Angestellte des Shrewsbury College in Oxford, einem College für Frauen. 1935, als der Roman entstand und spielt, waren studierende Frauen noch eine Besonderheit. Harriet Vane, die Sayers-Leserinnen schon aus früheren Krimis als erfolgreiche Autorin von Detektivromanen kennen, soll bei den Nachforschungen in Oxford helfen. Hier eilt ihr schließlich auch ihr Verehrer Lord Peter Wimsey zur Hilfe, als es für sie brenzlig wird. Der Kriminalfall rückt in den Hintergrund, die Beziehungen der Personen untereinander sind deutlich wichtiger. Für seine Entstehungszeit durchaus modern. Eine US-amerikanische Erwiderung auf den Roman findet sich bei der Nummer 5 auf dieser Liste.

  • 95. Julien Green: Léviathan (dt.: Leviathan)
    Die Obsession des Hauslehrers Paul Guéret zur Wäscherin Angèle, die sich als Prostituierte entpuppt, führt zu Missbrauch, Mord und in eine tiefe Finsternis. Julien Green, dessen Eltern protestantische US-Amerikaner waren, konvertierte als junger Mann zum Katholizismus und war schwul. Ein Getriebener, dessen eigene Zerrissenheit sich immer wieder in seinen Romanen widerspiegelt, wie auch in dem 1929 erstmals erschienen Léviathan – seinem vermutlich besten Roman. Dessen tiefschwarze Psychogramme der Figuren sind auf eine ganz besondere Art beängstigend. Gelesen habe ich die Übersetzung von Eva Rechel-Mertens, die 1986 erschien.

  • 94. Isabel Bogdan: Laufen
    Ein oder zwei Mal in der Woche spaziere ich an der Außenalster entlang. Ziemlich oft kommt mir dann die Erzählerin aus Isabel Bogdans Roman Laufen in den Sinn. Sie joggt um das Hamburger Binnengewässer, um den Selbstmord ihres Freundes zu bewältigen. Ein kluges, empathisches Buch über Trauer und für mich auch immer mit einem Bezug zur Realität. Danke dafür, liebe Isa!

  • 93. John Williams: Into the Badlands – A Journey Through the American Dream
    (keine deutsche Übersetzung bekannt)
    1989 reiste der britische Journalist und Autor John Williams durch die USA und interviewte Autorinnen und Autoren von Kriminalliteratur. 1991 erschien sein Buch »Into the Badlands« das erste Mal und seither gilt diese Mischung aus Reisebericht und Portraits als ein Klassiker der Sekundärliteratur zu Krimis. Aufmerksam auf dieses Buch hat mich damals der britische Schrifsteller David Peace gemacht, dem ich dafür bis heute dankbar bin. Im April 2026 erschien eine Neuauflage und ich empfehle sehr gerne eine (Wieder-)Entdeckung dieses Buches!
    Siehe auch: Eine Reise durch den amerikanischen Alptraum – Über John Williams »Into the Badlands«


  • 92. David Peace: Red Riding Quartett (dt. vier Roman.: 1974, 1977, 1980 und 1983)
    Wo ich schon bei David Peace bin: Kurz vor und nach der Jahrtausendwende erschienen die vier Bände seines Red Riding Quartetts. Die vier Romane, die schlicht nach vier Jahreszahlen benannt wurden – in der deutscher Übersetzung durch Peter Torberg heißen sie 1974, 1977, 1980 und 1983 – schildern fiktionalisiert die Suche nach dem »Yorkshire Ripper«. Dieser soll in den 1970er Jahren mindestens 13 Frauen ermordet haben. Korruption bei der Polizei, Rassismus, Gewalt gegen Prostituierte – die Themen sind trostlos, die Figurenzeichnung tiefgründig und die Erzählweise herausfordernd unkonventionell. Hier gilt tatsächlich einmal: Kriminalliteratur als realistischer Gesellschaftsroman.

  • 91. Elizabeth von Arnim: The Enchanted April (dt.: Verzauberter April)
    Ein Urlaub an der Italienischen Riviera in einem mittelalterlichen Schloss, um für ein paar Wochen dem trüben Aprilwetter in London zu entkommen – welch’ wundervoller Gedanke! Genau diesem gehen vier Frauen nach: die unscheinbare Lotty Wilkins, die fromme Rose Arbuthnot, die mondäne Lady Caroline Dester sowie die strenge Witwe Mrs. Fisher. Der Magie des Ortes geschuldet entwickelt sich, trotz der unterschiedlichen Ansichten und Erwartungen, eine Freundschaft zwischen ihnen. Eine unterhaltende Wohlfühl-Lektüre und gerade richtig, wenn man eine kleine Auszeit braucht.

  • 90. Irene Vallejo: El infinito en un junco: La invención de los libros en el mundo antiguo (dt.: Papyrus: die Geschichte der Welt in Büchern)
    »Ein Liebesbrief an die Bücher der Antike« habe sie schreiben wollen, erklärte Irene Vallejo in einem Gespräch mit der FAZ. Dies ist ihr in der Tat mit »Papyrus« gelungen. Ihre Geschichte des Buches erzählt sie in kurzen Kapiteln, immer anschaulich und mit lauter kleinen Überraschungen gespickt.

  • 89. Carlo Fruttero, Franco Lucentini & Charles Dickens: La verità sul caso D. (dt.: Die Wahrheit über den Fall D.)
    Ein Romanfragment, dessen Rätsel die größten Detektive der Literatur beschäftigt: Als Charles Dickens im Juni 1870 starb, hinterließ er den unvollendeten Roman The Mystery of Edwin Drood (siehe Platz 88). Das im Titel angesprochene Geheimnis blieb verborgen, was zahlreiche Autorinnen und Autoren veranlasste, das Fragment zu beenden und eigene Lösungen zu finden. Die beiden italienischen Krimiautoren Fruttero und Lucentini treiben dieses Spiel auf die Spitze: Die namhaftesten Ermittler – von Sherlock Holmes über Maigret bis hin zu Nero Wolfe – versammeln sich zu einem Kongress in Rom um die Wahrheit im Fall D. – Dickens oder Drood? – herauszufinden. Wunderprächtiger Literaturspaß, übersetzt von Burkhart Kroeber, den es in dieser Form heute leider nur noch selten gibt.

  • 88. Charles Dickens: The Mystery of Edwin Drood (dt.: Das Geheimnis des Edwin Drood)
    Das ungeklärte Verschwinden des Waisenjungen Edwin Drood im fiktiven Städtchen Cloisterham beschäftigt seit über 150 Jahren die Leserschaft. Wurde er ermordet? Und wenn ja, von wem? War es sein Onkel John Jasper, Kantor der Gemeinde, war es Neville Landless, mit dem Edwin in Streit geraten ist? Die Fragen bleiben ungeklärt, den Dickens starb, bevor er seinen Roman – den womöglich ersten ernstzunehmenden Kriminalroman – beendete. Eine Lösung wird in dem oben genannten Buch La verità sul caso D. präsentiert, es gibt zahlreiche weitere, wie etwa Lutz Büges schwule Variante Der Fall Edwin Drood. Bleibt die Frage: Können nicht auch Romanruinen schön sein?

  • 87. Jamie O’Neill: At Swim, Two Boys (dt.: Im Meer, zwei Jungen)
    Der irische Autor Jamie O’Neill arbeitete zwischen 1990 und 2000 als Nachtportier in einer psychiatrischen Klinik in London. Während der Nachtstunden – so will es die Legende – sind große Teile seines Buches At Swim, Two Boys entstanden, das 2001 erstmals veröffentlicht wurde.
    Vor und während der Wirren des irischen Osteraufstandes 1916 spielt der Roman, der in einer wunderbar poetischen Sprache die Liebesbeziehung zwischen dem stillen und naiven Kaufmannssohn Jim und dem rebellischen Arbeitersohn Doyler erzählt. Das Homosexualität im erzkonservativen und stockkatholischen Irland zu dieser Zeit verboten war, stellt die beiden Jungs vor unüberwindlichen Herausforderungen. O’Neill ist ein großartiger Erzähler in bester, irischer Erzähltradition.

  • 86. Manuel Puig: El beso de la mujer araña (dt.: Der Kuss der Spinnenfrau)
    Ein Roman, der fast nur aus Dialogen besteht, ist ungewöhnlich und erinnert eher an ein Theaterstück als an einen Roman. Dennoch erschafft der argentinische Schriftsteller Manuel Puig eine bildstarke Romanrealität. Der schwule Crossdresser Molina sitzt aufgrund seiner Homosexualität im Gefängnis. Dort trifft er auf den marxistischen Revolutionär Valentín. In der Ödnis ihrer Zelle erzählt Molina Valentín die Handlungen und Geschichten alter, schnulziger Hollywoodfilme. Die beiden Männer kommen sich näher, wobei die Geschlechtergrenzen immer mehr verschwimmen. Auf meiner alten Taschenbuchausgabe steht ein schönes Zitat aus der SZ: »Allein im Kitsch kann das Individuum, das aus allen kollektiven Sinnzusammenhängen herausgefallen ist und von keiner Solidarität mehr getragen wird, noch Trost, zumindest aber illusionäre Hoffnung finden.« Das mag heute mehr denn je gelten.

  • 85. Gilbert Adair: The Evadne Mount trilogy (dt.: Die Evadne Mount Trilogie)
    Von 2006 bis 2008 erschienen die drei Bände um die ermittelnde Krimiautorin Evadne Mount. Schon die englischen Originaltitel verweisen auf Kriminalromane von Agatha Christie: The Act of Roger Murgatroyd (2006), A Mysterious Affair of Style (2007) und And then there was no one (2008). Die deutschen Übersetzungen durch Jochen Schimmang heißen Mord auf ffolkes Manor (2006), Ein stilvoller Mord in Elstree (2007) und Und dann gab’s keinen mehr (2008).
    Mit seinen drei Kriminalromanen erweckt Adair einen fast vergessenen Literaturstil zum Leben: der Pastiche. Seine feinsinnigen und klugen Nachahmungen der stilistisch eher flachen Kriminalromane von Agatha Christie sind humorvolle Literaturkritik und Literaturliebe in einem. Allerbeste Krimikunst! Leider blieb Gilbert Adair immer ein »Author’s Author«.

  • 84. Christiane Rochefort: Printemps au parking (dt.: Frühling für Anfänger)
    Christoph Ronin, sechzehn Jahre alt, haut ab. Sein Alter brüllt ihn an, weil er vor dem Fernsehbildschirm sitzt, auf dem allerdings gar nichts zu sehen ist. Also steht er auf, geht weg, ohne Koffer, ohne Ziel. Er streunt herum, trifft auf andere junge Leute, die sich in einer vorrevolutionären Stimmung befinden. Es ist das Jahr 1967 in Frankreich, es brodelt nicht nur bei den Studenten. Ich-Erzähler Christoph erfährt die eigenen Gitter, die eigenen Grenzen – und sprengt sie. Dabei verliebt er sich in einen jungen Studenten. Das Buch entwickelte sich zu einem Liebling der deutschen Schwulenbewegung. Rochefort schreibt lebensnahe Dialoge und weiß sich genau in die psychische Lage ihrer Figuren hinein zu fühlen. Dicht und präsent – auch heute noch.

  • 83. Joseph Allen Boone: Furnace Creek
    (keine deutsche Übersetzung bekannt)
    Ja, ja, eine gewisse Affinität zu Mr. Charles John Huffam Dickens kann ich nicht leugnen. Zum Glück bin ich damit nicht alleine, auch zahlreiche Schriftsteller und Schriftstellerinnen haben sich durch den »Inimitable«, den Unnachahmlichen, inspirieren lassen.
    2022 erschien zum Beispiel der Roman Furnace Creek von Joseph Allen Boone, der als Professor an einer Universität in Kalifornien arbeitet. Boone transportiert das Handlungs- und Figurengerüst von Dickens Roman Great Expectations (dt.: Große Erwartungen) kurzerhand in den amerikanischen Süden der 1960er Jahre und erzählt dabei ein lesenswerte, schwule Coming-Of-Age-Geschichte.
    Sein Pip heißt Newton Seward, seine Miss Havisham wird zu Julian Brewster, der in einem gotischen Anwesen lebt und dort von einem Diener mit dem klangvollen Namen George Geronimo Washington bedient wird. Newt soll die Bibliothek des älteren Herren ordnen und trifft dabei auf das Zwillingspaar Mary Jo und Marky Joe Sumner, die beide die Rolle der Estelle einnehmen. Was als Freundschaft beginnt, nimmt im Erzählverflauf immer mehr die Form einer Dreiecksbeziehung an, wäre da nicht Samson Washington, der Sohn des schwarzen Dieners Geronimo.
    Boone erschafft lebensnahe, queere Charakter, die nicht nur in der Tradition von Dickens stehen sondern auch in denen der großen Autorinnen und Autoren des »South Gothic«. Großartige Kombination!

  • 82. Henri-Pierre Roché: Jules & Jim (dt.: Jules und Jim)
    In meiner Zweitausendeins-Ausgabe der deutschen Übersetzung durch Peter Ruhff findet sich ein Vorwort von François Truffaut, der maßgeblich zur Entdeckung des französischen Autors Henri-Pierre Roché beigetragen hat. Es war seine Verfilmung Jules & Jim, die die Geschichte die Dreiecksbeziehung des Deutschen Jules, des Franzosen Jim und der Berlinerin Kathe berühmt machte. Rochés Roman ist inspiriert durch die Beziehung, die der Autor zu Helen Hessel, der Frau seines besten Freundes Franz Hessel nach dem Ersten Weltkrieg unterhielt. Erst viele Jahre später, 1973, hat Roché diese Erfahrungen literarisch verarbeitet, was vielleicht den distanziert wirkenden Erzählstil geprägt hat. Ein Kleinod der autofiktionalen Erzählkunst, das mittlerweile in einer neuen Übersetzung durch Patricia Klobusiczky vorliegt.

  • 81. Felice Picano: The Lure (dt.: Gefangen in Babel, später dann Der Köder)
    Als 1979 der Thriller The Lure in die Buchläden kam, sprach man noch mit spitzer Zunge von der »Schwulen-Szene«. Deren Anrüchigkeit – ob nun real oder Wunschvorstellung – konnten Menschen außerhalb dieser Szene nur erahnen. Felice Picanos Roman ermöglicht Einblicke in diese New Yorker »Schwulenszene« in den 1970er Jahren in Form eines Thrillers.
    Voyeuristisch? Vielleicht. Spannend? Auf jeden Fall!
    Der heterosexuelle Witwer Noel Cummings wird Zeuge eines Mordes. Die Polizei wirbt ihn als Lockvogel an, er soll zum Köder für den Mörder werden, der es auf schwule Männer abgesehen hat. Dabei durchläuft Noel selbst eine Wandlung. Die Opfer sucht der Mörder in den schwulen Sexclubs der Stadt. Picano schildert eindrucksvoll die Stimmung jener Zeit, die Sorglosigkeit der Szene, die durch einen Mörder zerstört wird. Im Nachgang wirkt der Roman gespenstisch prophetisch, denn nur kurze Zeit später sterben immer mehr schwule Männer. Nicht durch einen Mörder, sondern durch ein tödliches Virus namens HIV.
    Über den Thriller hinaus hat die schwule Literatur Felice Picano viel zu verdanken. Gemeinsam mit Andrew Holleran, Robert Ferro, Michael Grumley, Edmund White, Christopher Cox und George Whitmore bildete er die Gruppe »The Violet Quill«, die für größere Sichtbarkeit schwuler Themen in der Literatur sorgte.

  • 80. Michael Marano: Dawn Song (dt.: Dawn Song)
    Für sein Debütroman Dawn Song erhielt der US-amerikansiche Autor Michael Marano 1998 den Bram Stoker Award. Zu Recht, wie ich finde und den zahlreichen negativen Kritiken zum Trotz. Im vorweihnachtlichen Boston des Jahres 1990 irrt ein Sukkubus in Gestalt einer jungen Frau umher und trifft auf den sensiblen Buchhändler Lawrence, der sich von seinem Partner Jacob getrennt hat. Er fühlt sich durch sie angezogen, wodurch er in einen Kampf gerät, bei dem das Böse gegen das Böse kämpft. Ein atmosphärisch dichter Horror-Roman mit komplex angelegten Charakteren. Meine Lektüre fiel vor einigen Jahren in die Weihnachtszeit und entsprechend angetan war und bin ich von dem Buch.

  • 79. Stephen King: It (dt.: Es)
    Wie so oft bei Genre-Literatur wird die literarische Wucht, die Vielschichtigkeit der Motive und die Wirkung des Textes übersehen oder klein geredet. Stephen Kings It ist unzweifelhaft ein Horror-Roman, er ist zudem Gesellschaftsbild einer US-amerikanischen Kleinstadt und Psychogramm eines Kindheitstraumas. Wer einmal in Derry war, wird es nicht so schnell vergessen und dabei durchaus den einen oder anderen Schauder erleben, aber auch die Kraft der Freundschaft.

  • 78. Patrick Gale: The Aerodynamics of Pork (dt.: Willkommen im Paradies)
    Der auf der Isle of Wight geborene Schriftsteller Patrick Gale ist einer dieser (vielen) Autoren, den die deutsche Verlagswelt sträflich ignoriert. Mittlerweile hat Gale in Großbritannien 19 Romane veröffentlicht, dazu mehrere Bände mit Kurzgeschichten und eine wunderbare Biographie über Armistead Maupin (siehe auch Nummer 35 und 15 dieser Liste). 1985 begann alles mit seinem Debüt The Aerodynamics of Pork, das 1992 dankenswerterweise vom Verlag Edition Diá in der deutschen Übersetzung durch Frank Heibert veröffentlicht wurde.
    Zwei Handlungsstränge verwebt Gale in seinem Roman: Da ist einerseits der 15-jährige Geiger Seth, der sich auf einem Musikfestival in einen Bildhauer verliebt. Der zweite Handlungsstrang erzählt die Geschichte von Mo, einer lesbischen Polizistin in London, die sich in der patriarchalischen Polizei behaupten muss. Ihre Ermittlungen führen beide Figuren schließlich zusammen. Ein im besten Sinne queerer und lustiger Roman.

  • 77. Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel
    Als »pubertäre Literatur« wurde und wird Hermann Hesse abgeurteilt. Ich bin mir nicht so sicher, ob das stimmt. Hesse war einer der entscheidenden Autoren, die mich als junger Mensch – von daher kommt es mit der Pubertät schon hin – in die Literatur eingeführt haben. An und mit Hesses Werken habe ich »lesen gelernt«, was die zahlreichen unterstrichenen Passagen meiner alten Suhrkamp-Taschenbuchausgaben belegen. Das Glasperlenspiel habe ich in einem Sommer intensiv durchgearbeitet – Lesen als Herausforderung. Sein Blick auf das »Feuilletonistische Zeitalter« ist gerade in Zeiten von Social Media und Internet aktueller den je. Zur Wiederlektüre.

  • 76. Alan Hollinghurst: The Swimming-Pool Library (dt.: Die Schwimmbad-Bibliothek)
    London, 1983: Der junge, wohlhabende Will geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach, dem Cruisen. Auf einer öffentlichen Toilette, beliebter Treffpunkt von schwulen Männern, rettet er dem älteren Lord Charles Nantwich das Leben. Sie freunden sich an und Lord Nantwich bittet Will darum, seine Biographie zu schreiben. Nantwichs Tagebuchaufzeichnungen erscheinen wie ein ferner Spiegel, in dem sich Will wieder erkennt. Hollinghursts Debütroman ist ein stilistisches Wunderwerk, den eine düstere Vorahnung durchzieht. Es ist der letzte Sommer, bevor AIDS das Leben von schwulen Männern erschüttert.

75 bis 51: Von Kuba über Ungarn bis nach Russland. Und natürlich England

  • 75. Henry James: The Turn of the Screw (dt.: Die Drehung der Schraube)
    Die erzählerische Entfremdung der Novelle ist ein wunderbares Beispiel für einen unzuverlässigen Erzähler. Ein namenloser Berichterstatter gibt eine Geschichte wieder, die zur Weihnachtszeit an einem Kamin vorgelesen wird. Sie schildert den Fall einer ebenfalls namenlosen Gouvernante, die auf einem Landsitz die beiden Kinder Miles und Flora erziehen soll. Ihr erscheinen Geister, die einen unheilvollen Einfluß auf ihre beiden Schützlinge haben.
    Die umfangreichen Werke des US-amerikanischen Meisters Henry James stehen leider immer noch auf meiner Zu-Lesen-Liste, aber seine feine Novelle, deren psychologische Spannung tatsächlich mit jeder Drehung einer Schraube anzieht, ist absolut lesenswert. Gelesen habe ich die Übersetzung von Harry Kahn.

  • 74. Léo Malet: Micmac moche au Boul’ Mich’ (dt.: Bambule am Boul’ Mich’)
    Anfang der 1990er Jahre: Es war mein zweiter Besuch in Paris, als wir in einem Hotel am Boulevard Saint-Michel unterkamen. Im Gepäck: Léo Malets Krimi Micmac moche au Boul’ Mich’, den ich mangels Französisch-Kenntnissen in der deutsche Übersetzung von Hans-Joachim Hartstein las. Das kleine Büchlein um den typisch-zynischen Privatdetektiv konnte ich also dort lesen, wo es spielte. Das hat immer etwas Magisches, auch wenn der Krimi in den 1950er Jahren spielt. Damals, als selbst Taschenbücher noch mit Liebe gemacht wurden, fanden sich in dem Buch in einem Nachgang auch gleich Fotos und ein kluges Nachwort, dass mir die Geschichte um den Selbstmord eines Studenten und Burmars Ermittlungen nochmal näher brachte. Eine schöne Erinnerung.

  • 73. Fred Vargas: Pars vite et reviens tard (dt.: Fliehe weit und schnell)
    Bleiben wir noch etwas in Paris – um es dann doch schnell zu verlassen, wie es uns der Titel des Krimis von Fred Vargas empfiehlt. Ein Pestbereiter sorgt dafür, dass die Pest zurück nach Paris kehrt. Der ehemalige Seemann Joss Le Guern kündigt die Toten in seinem Beruf als »Ausrufer« mittels kryptischer kurzer Nachrichten an. Kommissar Adamsberg muss einen Täter finden, der angeblich die Pest über Flöhe verbreiten will, doch die Toten sterben nicht wirklich an der Pest, sondern werden erdrosselt. Fred Vargas vermischt auf magische Weise historische Figuren, Mythen und französischen Flair zu spannenden Kriminalromanen. Und dieser hier ist aus der gesamten Adamsberg-Reihe mein liebster.

  • 72. Shirley Jackson: Life Among the Savages (dt.: Krawall und Kekse)
    Jacksons berühmte Schauerromane The Haunting of Hill House (dt.: Spuk in Hill House) und We Have Always Lived in the Castle (dt.: Wir haben schon immer im Schloss gelebt) habe ich mit Begeisterung gelesen. Aber am meisten gelacht habe ich bei ihrem Roman Life Among the Savages, in dem die Autorin den Alltag in einem baufälligen Herrenhaus mit vier Kindern in den 1940er und 1950er Jahre schildert. Das Buch lebt von einer herrlichen Situationskomik, zeigt zudem den alltäglichen Wahnsinn einer Frau auf, die Erzieherin, Hausfrau und gute Ehefrau sein will/muss. Die Lektüre des zweiten Teils Raising Demons steht noch aus. Dringend!

  • 71. Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher
    Mittlerweile habe ich beruflich jeden Tag mit Büchern zu tun. Das war (leider) nicht immer so. In diesen Zeiten hat mich dann zum Beispiel der Zamonien-Roman Die Stadt der träumenden Bücher darin erinnert, wie grandios und wie gefährlich Bücher sind. Ich konnte mich bei der Lektüre in eine Welt der Bücher hineinträumen, Hildegunst von Mythenmetz bei seiner Odyssee durch die Katakomben von Buchhaim folgen und den liebenswerten Buchlingen begegnen. Die berauschende Phantasie von Walter Moers ist zauberhaft und sein eigensinniges Spiel mit Literatur sehr unterhaltsam. Daran wird auch der Schattenkönig nichts ändern.

  • 70. Juan Ramón Jiménez: Platero y yo (dt.: Platero und ich)
    Bei Don Quichotte bildet der tapfere Esel Rucio den Gegenpol zum abgemagerten Pferd Rosinante, dem Ross des edlen Ritters. Rucio – was auf Spanisch schlichtweg »grau« heißt – ist der treue Esel von Sancho Panza. Jahrhunderte später taucht in der spanischen Literatur wieder ein Esel auf, diesmal sogar als Hauptfigur einer Prosadichtung. Platero y yo schildert in zumeist melancholischen Bildern die Landschaft rund um den andalusischen Ort Moguer. Dort wurde 1881 Juan Ramón Jiménez geboren, der mit seinem Esel Platero durch die Landschaft streift und seine eleganten Naturbetrachtungen in einer wunderbaren Sprache einfängt. Eine »Andalusische Elegie« nannte der spätere Nobelpreisträger seinen Text – und das trifft es sehr gut. Deshalb: Eine Begegnung mit Platero kann ich sehr empfehlen.

  • 69. Camilo José Cela: La Colmena (dt.: Der Bienenkorb)
    Verweilen wir noch für ein weiteres Buch in Spanien. Anfang 1990 verbrachte ich einen Monat in Madrid und in dieser Zeit empfahl mir mein damaliger Freund Celas La Colmena, ein Roman, den ich in der deutschen Übersetzung durch Gerda Theile-Bruhns las. Da war ich also in Madrid und reiste mit dem Buch ins Jahr 1943, genauer gesagt in das Café von Doña Rosa. Dort treffen sich hunderte von Kleinbürgern, gefangen in all ihren Alltagssorgen und strömen wie die Bienen durch die Straßen Madrids. Ein eindringliches Buch, das vor allem durch seine filmische Montagetechnik beeindruckt.

  • 68. Anjet Daanje: Het lied van ooievaar en dromedaris (dt.: Das Lied von Storch und Dromedar)
    Variationen über eine tote Dichterin – so könnte man den Roman mit fast 1.000 Seiten Umfang in der deutschen Übersetzung durch Ulrich Faure zusammenfassen. Vorbild für diese tote Dichterin, die im Roman Eliza May Drayden heißt, ist Emily Brontë. In verschiedenen Zeitabschnitten schildert die niederländische Autorin Anjet Daanje die Nachwirkungen ihres Lebens und ihres Werkes auf verschiedene Menschen zu verschiedenen Zeiten. Es treten unter anderem auf: Eine Leichenwäscherin, ein Zwillingspaar und ein Uhrmacher. Ein mythischer Roman. Prächtig!
    Siehe auch: Marius hat auf seinem Blog Buch-Haltung eine ausführliche Rezension veröffentlicht.

  • 67. Tan Twan Eng: The House of Doors (dt.: Das Haus der Türen)
    Malaysia, 1921: Das beschauliche Kolonialleben von Lesley Hamlyn gerät aus den Fugen, als William Somerset Maugham auftaucht. Der Besuch des alten Freundes ihres Mannes wirbelt nicht nur den Alltag auf, sondern bringt auch tief verborgene Geheimnisse der Vergangenheit ans Licht. So wird ein Schriftsteller, der in seinen Kurzgeschichten wahre Begebenheiten fiktionalisiert hat, selbst zu einer lebendigen und plastischen Fiktion. Eine Fiktion, die von realistischen Versatzstücken gespeist wird: reale Persönlichkeiten wie Sun Yat-sen oder Ethel Proudlock spielen eine Rolle in der Geschichte. Und natürlich William Somerset Maugham, dessen Homo- bzw. Bisexualität beleuchtet wird. Ein kluges Buch – auch über die Facetten des Ehebruchs.

  • 65.Edmund White: The Farewell Symphony (dt.: Abschiedssymphonie)
    »Die Erinnerungen in die Arme schließen« – treffender als Edmund White selbst kann man das Thema und den Ton seines autobiographischen Romans The Farewell Symphony nicht benennen. Der Autor, in den siebziger Jahren politisch in der Schwulenbewegung aktiv war, lässt in seinem Buch einen Ich-Erzähler zurückblicken auf eine bewegte und wilde Epoche schwulen Lebens. Von den Anfängen der Schwulenbewegung über die turbulenten sexuellen Exzesse der siebziger Jahre bis zum massenhaften Sterben an Aids reicht dabei die zeitliche Spanne. Ein authentisches Meisterwerk.

  • 64. Anne Michaels: Held (dt.: Zeitpfade)
    Wo manche Familiensagas breitbeinig und voluminös daher kommen, erscheint die Geschichte dieser Familie leichtfüßig, da die Generationen im Text locker verbunden sind. Vom Ersten Weltkrieg bis ins Jahr 2025 erstreckt sich die Zeitspanne. Diese Leichtfüßigkeit trügt, denn die kanadische Autorin Anne Michaels verhandelt auf gut 200 Seiten in einer poetischen Sprache Themen wie Tod, Liebe, Zugehörigkeit und Krieg. Ein Buch wie ein Konzentrat und entsprechend verlangt es auch konzentrierte Lektüre.

  • 63. Pablo De Santis: La traducción (dt.: Die Übersetzung)
    Ohne Übersetzung keine Weltliteratur. Diese Binsenweisheit muss in Zeiten von KI-Übersetzungen immer wieder ins Bewusstsein gerückt werden. Literatur, auch übersetzte, wird von Menschen geschaffen und dies gilt auch für ihre Übersetzung. Der argentinische Autor Pablo De Santis greift dies auf. In seinem 1998 erschienen Kriminalroman treffen sich Übersetzer zu einem Kongress. Ein Todesfall und merkwürdige Zeichen auf toten Seehunden überschatten die Zusammenkunft. Eine phantastische Begebenheit folgt der nächsten und De Santis ist ein Meister der Leserverwirrung. Das ist faszinierend und rätselhaft. Am Ende bleibt die Frage: Kann Sprache töten?

  • 62. Thomas Mann: Buddenbrooks
    »Was ist das. – Was – ist das…« – Eine Frage, die ohne Fragezeichen auskommt – so beginnt der erste Roman von Thomas Mann. Ich frage mich bis heute, was dieser Roman eigentlich ist: moderne Familiensaga, Schlüsselroman, Lübecker Heimatgeschichte, Künstlergeschichte, Kaufmannsepos? Eine Antwort habe ich nicht parat, ich erinnere mich aber an meine Lektüre an heißen Sommertagen hinter unserem Haus und fühlte mich, ähnlich wie bei Dickens, völlig und ganz in die Romanwelt versetzt. Zu der Zeit wusste ich noch nicht, dass ich einige Zeit später nach Hamburg ziehen würde und Lübeck ganz in der Nähe ist.
    Nachdem wir nun das Thomas-Mann-Jahr hinter uns haben, wird es womöglich Zeit für ein Wiederlesen, damit ich – wie Sesemi Weichbrodt am Ende des Buches – sagen kann: »Es ist so!«

  • 61. Charles Dickens: David Copperfield (dt.: David Copperfield)
    Als frühe Form des autofiktionalen Erzählens ist der Roman David Copperfield sowohl autobiographisches Erinnern und zugleich realistischer Gesellschaftsroman mit plastisch gezeichneten Figuren, die wohl nur ein Charles Dickens erfinden konnte. Er selbst sah in seinem Roman seinen »liebsten«. Bereits zweimal habe ich ihn gelesen, einmal in der Übersetzung von Josef Thanner, einmal in der Neuübersetzung durch Melanie Walz. Fehlt eigentlich nur noch die Lektüre des Originals.
    Siehe auch: Die Autofiktion des Charles David Copperfield Dickens – Über die Neuübersetzung des Romans »David Copperfield« durch Melanie Walz


  • 60. Nikolai Wassiljewitsch Gogol: Мёртвые ду́ши (dt.: Die toten Seelen)
    Pawel Iwanowitsch Tschitschikow, wegen Bestechung entlassener Zolleintreiber, reist durch die russische Provinz und kauft Gutsbesitzern die verstorbenen Leibeigenen ab. Diese »toten Seelen« gelten noch als Lebende und sollen Tschitschikow als Pfand bei Kreditinstituten reichlich Gewinn einbringen. In seiner beißend-bösen Satire führt Gogol die zaristische Bürokratie vor und die Banalität des Bösen. Ein Roman, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt – gerade, wenn man auf die aktuelle Situation in Russland schaut. Gelesen habe ich vor vielen Jahren die Übersetzung von Fred Ottow.

  • 59. Péter Nádas: Emlékiratok könyve (dt.: Buch der Erinnerung)
    »Die Seele Prousts im Sozialismus« nannte Eva Hoffmann ihre Buchkritik zur englischen Übersetzung von Emlékiratok könyve, der 1986 erstmals in Ungarn erschien. Die deutsche Übersetzung durch Hildegard Grosche kam 1991 bei uns in die Buchläden, die englischsprachigen Leserinnen und Leser mussten bis 1997 warten.
    In den Händen: Ein 1.300 Seiten umfassendes Epos, in dem ein namenloser Ich-Erzähler in den 1970er Jahren in Ostberlin lebt. Er wird von seinem Freund verlassen, der in den Westen geflüchtet ist. Daraufhin kehrt er nach Ungarn zurück und beginnt einen Roman über einen Schriftsteller zu verfassen, der sich zu Beginn des Jahrhunderts im Ostseebad Heiligendamm aufhält. Als dritter Erzählstrang blickt der Erzähler zurück in das Budapest der 1950er Jahre und schildert seine Kindheit im stalinistisch geprägten Ungarn. Ein sprachlich herausforderndes und eindringliches Buch. Um es klar zu sagen: Vergesst Biedermann – lest Nádas!

  • 58. Harry Mulisch: De ontdekking van de hemel (dt.: Die Entdeckung des Himmels)
    Der liebe Gott – wer auch sonst – will die Tafeln mit den Zehn Geboten, die er einst erlassen hat, zurückhaben. Er ist von den Menschen enttäuscht – was ich absolut verstehen kann. Also mischen sich zwei Engel in das Schicksal der beiden Freunde Max (Astronom, Frauenheld) und Onno (Sprachwissenschaftler) ein. Die beiden verlieben sich in eine Frau: Ada (Cellistin). Sie wird schwanger, aber wer ist der Vater des Kindes? Quinten heißt der Junge, der engelsgleich den göttlichen Auftrag erfüllen soll.
    1992 erschien dieser »Totalroman« in den Niederlanden, ein Jahr später folgte die deutsche Übersetzung durch Martina den Hertog-Vogt. Ein wunderbares Buch, der Weltgeschichte mit den Lebensgeschichten seiner Heldinnen und Helden verwebt. Und man lernt tolle Musik kennen, wie zum Beispiel Leoš Janáčeks Kammerstück »Pohádka«.


  • 57. Leonardo Padura: Tetralogía de las Cuatro Estaciones (dt.: Das Havanna Quartett)
    Die vier Jahreszeiten im Jahre 1989 als Kriminalquartett auf Kuba – so könnte man die vier Romane des kubanischen Schriftstellers Leonardo Padura zusammenfassen. 1989 war in der kubanischen Geschichte ein einschneidendes Jahr, denn der Zusammenbruch der Sowjetunion brachte der sozialistischen Vorzeige-Insel viele Schwierigkeiten. Padura lässt seinen vielschichtigen Teniente Mario Conde genau in dieser Umbruchszeit ermitteln und scheut sich nicht, all die Schwierigkeiten zu thematisieren, mit denen die Kubaner zu kämpfen haben. Verarmung auf der einen Seite, Korruption bei den Parteigenossen auf der anderen Seite. Dieses Spannungsfeld schildert Padura in einer bildstarken Prosa, er selbst ist ein Skeptiker, dessen schärfste Waffe seine Sprach ist. ¡Excelente!


  • 56. Edward Morgen Forster: Howard’s End (dt.: Wiedersehen in Howards End)
    Tee und Scones sind hoffentlich bereitet, denn nun folgen die Forster-Festspiele mit gleich drei Romanen eines Autors, der mich immer wieder beeindruckt hat: E.M. Forster.
    Sein Roman Howards End erschien erstmals 1910 und schildert die Geschichte der beiden sehr gegensätzlichen Familien Schlegel und Wilcox. Auf der einen Seite die aus Deutschland stammenden Geschwister Schlegel, die sich modern und aufgeschlossen geben, auf der anderen Seite die konventionellen und konservativen Wilcox’. Eine kurzzeitige Verlobung zwischen Helen Schlegel und Paul Wilcox bringt die Familien zunächst zusammen. Später dann bezieht die Familie Wilcox in London eine Wohnung in der Nähe zu den Schlegels. Helen Schlegel und Ruth Wilcox freunden sich an – bis Ruth stirbt. In einer Notiz will sie das Landhaus Howards End an ihre Freundin hinterlassen, doch die Hinterbliebenen der Familie Wilcox ignorieren diesen Wunsch und verbrennen die Notiz. Dennoch bleiben die Familien verbunden – bis zum durchaus überraschenden Ende.
    Meine Lieblingsfigur des Romans: Tibby Schlegel, Bruder von Helen und Margarete. Seine kurzweiligen und sarkastischen Bemerkungen lockern die Handlung auf feine Art auf. Von Kritikern wird Howards End zu einem der bedeutendsten britischen Romane gezählt.

  • 55. Edward Morgan Forster: Where Angels Fear to Tread (dt.: Engel und Narren)
    »Denn Narren werfen sich dort hinein, wo sich Engel fürchten, hinzugehen« lautet eine Zeile in Alexander Popes Gedicht An Essay on Criticism (dt.: Ein Versuch über die Kritik). Es ist titelgebendes Motto von Forsters ersten Roman, der bereits 1905 erschien. Die verwitwete Lilia Herriton reist nach Italien, genauer gesagt in das zauberhafte (wenn auch fiktive) Monteriano in der Toskana und verliebt sich in Gino. Entgegen dem ausdrücklichen Befehl ihrer englischen Familie heiratet Lilia Gino. Sie wird schwanger und stirbt bei der Geburt des Kindes. Lilias Freundin Caroline Abbott reist nach Monteriano, um das Kind vor einer schwierigen Zukunft zu bewahren. Einen ähnlichen Gedanken haben Lilias Schwager Philip, der mit seiner Schwester Harriet in Monteriano anreist, um den guten Ruf der Familie zu retten. Was zunächst als humoristische Geschichte über den Aufprall der englischen und italienischen Kultur beginnt, endet in einer Tragödie. Grandios schildert Forster etwa die sogenannte »Wahnssinnsszene« aus Donizettis Oper Lucia di Lammermoor. Unvergesslich.

  • 54. Edward Morgan Forster: Maurice (dt.: Maurice)
    Ein dritter Roman von Forster, diesmal eine Leidensgeschichte, die ein gutes Ende nimmt. Der schwule Maurice verliebt sich zunächst an der Universität Cambridge in seinen Mitstudenten Clive, doch dieser gibt dem gesellschaftlichen Druck nach und heiratet eine Frau. Maurice hingegen stellt sich gegen die gesellschaftliche Konventionen und geht eine Beziehung mit dem Wildhüter Alec Scudder ein. Eine schwule Liebe über die Klassengrenzen hinweg, das war ein doppelter Tabubruch im spätviktorianischen England. Forster hatte verfügt, dass der Roman erst ein Jahr nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte. »Die Liebe, die ihren Namen nicht nennen darf« nannte es Oscar Wildes Liebhaber Lord Alfred Douglas Ende des 19. Jahrhunderts noch. Forster hat ihr immerhin ein paar Jahre später eine eindrucksvolle und letztlich positive Geschichte gewidmet. Große Hochachtung!

  • 53. Michael Cunningham: The Hours (dt.: Die Stunden)
    In seinem 1998 erschienen Roman The Hours fängt Michael Cunningham Momentaufnahmen aus dem Leben dreier Frauen ein. Da ist Virginia Woolf im Jahr 1923, die gerade begonnen hat, ihren Roman Mrs. Dalloway zu schreiben und eine Party organisiert. Da ist die schwangere Laura Brown, die 1949 eine Party für ihren Mann vorbereitet, der aus dem Krieg zurückgekehrt ist. Da ist schließlich Clarissa Vaughan, die an einem Junimorgen Anfang der 1990er Jahren los geht, um Blumen zu kaufen. Auch sie will eine Party ausrichten, für ihren an AIDS erkrankten Freund Richard.
    Ein intensives Buch, das eine Liebeserklärung an die Literatur ist – und an Virginia Woolf.

  • 52. E.T.A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels
    Klöster haben schon immer eine gewisse Anziehungskraft auf mich gehabt. Das mag meiner katholischen Erziehung geschuldet sein. Entsprechend faszinierend war für mich als junger Mann auch die Geschichte von Bruder Medardus. Der Kapuzinermönch kostet verbotenerweise vom Elixier des Teufels. Daraufhin erwacht seine sexuelle Begierde: die junge Aurelie gesteht ihm in der Beichte ihre Liebe und fortan sucht er sie mit immer größer werdendem Verlangen. Mord, falsche Identität, Familienfluch – Ernst Theodor Amadeus Hoffmann bietet seinem geneigten Publikum so einiges und mutet ihm auch einiges zu. Die Elixiere des Teufels sind weit davon entfernt, eine platte Schauergeschichte zu sein, auch wenn Hoffmann wohl durch Matthew Gregory Lewis Roman The Monk inspiriert wurde.

  • 51. Thomas Willmann: Der eiserne Marquis
    Über 900 Seiten umfasst dieses wunderbare Epos um den Ich-Erzähler, der als Sohn eines Schulmeisters geboren wurde, beim Uhrmachermeister Servasius Weisz in Wien dessen Handwerk erlernt, um fortan davon zu träumen, einen mechanischen Mensch zu erschaffen. Seine Liebe zur Grafentochter Amalia endet in einer Tragödie, er selbst wird im Krieg verwundet und lernt so den geheimnisvollen Marquis kennen, mit dem er nach Paris zieht. Willmann hat mit diesem Buch Maßstäbe für den Stil und die Erzählweise von historischen Romanen gesetzt, denn er fängt glänzend die Sprache der Zeit – der Roman spielt im 18. Jahrhundert – ein. Eine literarische Herausforderung, der sich gerne mehr Leserinnen und Leser stellen dürfen. Es lohnt sich!

50 bis 26: Viktorianische Heldinnen, Gedanken über den Tod und ein romantischer Garten

  • 50. Herman Melville: Bartleby the Scrivener (dt.: Bartleby der Schreiber)
    Sein Moby Dick liegt leider noch in verschiedenen Ausgaben auf meinem SUB, seine kleine, feine Erzählung Bartleby the Scrivener hingegen wird immer wieder von mir gelesen, wenn mich der Wahnsinn der Welt all zu sehr aufregt. Herman Melvilles Biographie liest sich in großen Teilen wie eine Abenteuergeschichte, die ihre Spuren in seinem Hauptwerk hinterlassen hat. Die Geschichte des Schreibgehilfen Bartleby nimmt sich dagegen wie ein psychologisches Kammerspiel aus. Der legendäre Satz »I would prefer not to« ist für Menschen wie mich, denen das »Nein!« schwer über die Lippen kommt, ein wohltuendes Mantra.

  • 49. Micah Nemerever: These Violent Delights
    (keine deutsche Übersetzung bekannt)
    »These violent delights have violent ends« heißt es in Shakespears Romeo and Juliet und dieser Satz fängt gut die Geschichte ein, die Micah Nemerever in seinem 2020 erschienen Debütroman erzählt. Vorlage für den Roman ist der Mord an dem 14-jährigen Bobby Franks, der von den Studenten Nathan Leopold und Richard Loeb 1924 ermordet wurde. Ihr Motiv: Sie wollten den perfekten Mord verüben. Ein Mord, der zahlreiche Adaptationen erfahren hat, die bekannteste dürfte der Film Rope (dt.: Cocktail für eine Leiche) von Alfred Hitchcock sein.
    Nemerever siedelt seinen Roman an der Universität Pittsburg in den 1970er-Jahren an. Hier treffen Paul, ein talentierter Junge aus der Arbeiterklasse, und Julian, ein charismatischer Student aus reicher Familie, aufeinander. Es entspinnt sich eine toxische Beziehung zwischen den beiden Männer – mit einem grausamen Ende. Mit stilistischer Bravour, einem feinen Gespür für Zeit und Figuren sowie grandioser Dramaturgie ist das Buch ein Pageturner. Darf gerne übersetzt werden.

  • 48. Volker Kutscher: Die Gereon-Rath-Krimis
    Zwischen 2007 und 2024 erschienen die zehn Krimis um den Kriminalkommissar Gereon Rath. Sie spielen in der Zeit zwischen 1929 und 1938 – also zum Ende der Weimarer Republik und in den Anfangsjahren der NS-Diktatur. Kutscher entspinnt ein atemberaubendes Zeitpanorama, in dem seine Hauptfiguren, Kriminalkommissar Gereon Rath und seine Freundin, später dann Ehefrau, Charlotte Ritter, mit den Auswirkungen des aufkommenden Faschismus ganz konkret konfrontiert werden. Was macht Geschichte mit einfachen Menschen? Und wie kann man Verbrechen aufklären, wenn der Staat, in dem diese sich ereignen, selbst zum Unrechtsstaat mutiert? Bücher mit Sogwirkung, die Geschichte anschaulich werden lässt. Wie übrigens auch die drei kleinen Bände, die Volker Kutscher gemeinsam mit der Illustratorin und Grafikerin Kat Menschik veröffentlich hat. Diese drei kleinen Wunderwerke gehören unbedingt dazu, zumal man im letzten Band Westend ein wenig mehr erfährt, was aus Gereon geworden ist. Furios!

  • 47. David Jackson Ambrose: State of the Nation
    (keine deutsche Übersetzung bekannt)
    Hintergrund dieses »Horror-Romans« bilden die Kindermorde von Atlanta, die die Stadt zwischen 1979 und 1981 erschütterten. Während die Morde wie ein rhythmisches Muster im Hintergrund ablaufen, kämpfen drei junge Schwarze gegen den alltäglichen Rassismus. Ein eindringliches Buch, in dem es um den Überlebenskampf der Jugendlichen geht und durch das der Begriff »Horror« seine wirkliche, reale Bedeutung bekommt. Bedrückende und bereichernde Lektüre.

  • 46. Dorothea S. Baltenstein: Vier Tage währt die Nacht
    Das war ein Spaß, als 2002 ein angeblich altes Manuskript einer früh verstorbenen Autorin – eben jener Dorothea S. Baltenstein – auftauchte und von einem gewissen Michael Schmid herausgegeben wurde. Hatte es etwa eine deutsche Ann Radcliffe gegeben, die wir bisher nicht kannten? Belesene Kritiker erfreuten sich an dem Buch, bis die raffiniert ersonnene Schwindelei aufflog. Herr Schmid ist nämlich Lehrer an einer Berliner Schule und gemeinsam mit seiner Klasse hat er dieses Manuskript verfasst. Besseren Literaturunterricht hat es wohl noch nie gegeben. Das Gute: Der Roman bereitet immer noch Lesefreude – auch wenn man weiß, dass Baltenstein eine Schimäre von Schülerinnen und Schülern ist.

  • 45. Donna Tartt: The Secret History (dt.: Die geheime Geschichte)
    Von Schülern zu Studenten: Eine verschworene Gruppe von fünf Griechisch-Studenten, die mit Richard einen Außenseiter aufnehmen, der nicht so recht zu ihnen passen will. Nach und nach wird ihre »geheime Geschichte« sichtbar – der Mord an einem Farmer. Tartts Debütroman hat sehr unterschiedliche Reaktionen erfahren – von »Arschlochbuch« bis »Lebensbuch« lauten die Kritiken. Mir ist die spannungsgeladene Atmosphäre in guter Erinnerung und auch bei einer zweiten Lektüre hat mit die »geheime Geschichte« prächtig unterhalten.

  • 44. David Leavitt: The Lost Language of Cranes (dt.: Die verlorene Sprache der Kräne)
    Der 25-jährige Philip Benjamin verliebt sich in einen Mann und steht nun vor seinem Coming Out gegenüber seinen Eltern Rose und Owen. Die wiederum fürchten um ihre Wohnung in Manhattan und haben ihre eigenen Sorgen. Nach 27 Jahren Ehe scheinen sie sich auseinander gelebt zu haben, zumal Owen seine eigenen, schwulen Neigungen heimlich bei Besuchen in schwulen Pornokinos auslebt. Drei Menschen, die eng miteinander verbunden sind und doch nicht sprechen können. Wie die beiden Kinder, die vernachlässigt aufwachsen und nur die Bewegungen der Kräne gegenüber nachahmen. Einer Sprache, die niemand versteht. Ein erschreckendes und versöhnendes Buch über die Liebe.

  • 43. Leslie Poles Hartley: The Go-Betweens (dt. u.a.: Der Zoll des Glücks und Ein Sommer in Brandham Hall)
    Es finden sich einige Entwicklungsromane auf dieser Liste. Einer der stilistisch brillantesten ist der 1953 erstmals erschienen Roman The Go-Betweens des britischen Schriftsteller L.P. Hartley. Er erzählt darin die Geschichte des jungen Leo, der unter seinen Klassenkameraden als Außenseiter gilt. In den Sommerferien lädt ihn sein Mitschüler Marcus ein, die Ferien mit seiner reichen Familie auf dem Landsitz Brandham Hall zu verbringen. Dort eingetroffen begegnet er der Schwester seines Mitschülers, der 19-jährigen Marian und schwärmt für sie. Leo stammt aus der Mittelschicht, während die Gastfamilie wohlhabend ist. Da Leo keine passende Kleidung mitgebracht hat, geht Marian mit ihm einkaufen. Bei einem Badeausflug begegnet Leo dem Bauern Ted Burgess, mit dem er sich anfreundet. Schließlich wird Leo zum Briefboten zwischen Ted und Marian. Was angeblich eine geschäftliche Korrespondenz sein soll, entpuppt sich als der Briefwechsel zwischen zwei Liebenden aus unterschiedlichen Klassen – mit einem tragischen Ende.
    Hartleys Beschreibungen des sommerlichen Norfolk und die fein gezeichneten Charaktere geben dem Roman einen starken Lesesog. Ein anspruchsvolles Sommerbuch.

  • 42. Thomas Mann: Der Zauberberg
    Nein, der Roman von Thomas Mann taucht hier nicht auf, weil er nun mal zu einer wie auch immer gearteten »Bestenliste« gehört. Er taucht hier auf, weil er mich als junger Mann sehr beeindruckt hat. Dass mir bei meiner ersten Lektüre all die philosophischen, historischen und gesellschaftspolitischen Überlegungen und Aspekte nicht immer gleich präsent waren, ist meiner damaligen Jugend geschuldet. Was aber auf jeden Fall bis heute in meiner Erinnerung fortlebt sind die plastisch geschilderten Charaktere: Lodovico Settembrini, Madame Chauchat, Leo Naphta und natürlich der etwas einfältige Hans Castorp. Es wird Zeit für eine Wiederbegegnung auf dem atmosphärisch so dichten Zauberberg.
  • 41. James Baldwin: Giovanni’s Room (dt.: Giovannis Zimmer)
    Es ist einer der Klassiker »schwuler« Literatur: Die tragische Geschichte des US-Amerikaners David und dem Italiener Giovanni, die sich in dem titelgebenden Zimmer lieben, nach außen hin aber ihre schwulen Begierden verstecken und verneinen müssen. Als das Buch in den 1950er Jahren in den USA und in den 1960er Jahren in Deutschland erschien, sorgte es für Aufsehen. Eines ist der Roman auf jeden Fall: Ein Gegengift gegen die Scham, wie es Garth Greenwell so treffend ausdrückt.

  • 40. J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings (dt.: Der Herr der Ringe)
    Bereits zweimal habe ich diesen Klassiker der phantastischen Literatur gelesen und bin jedesmal tief in die Welt von Mittelerde versunken. Beharrlich weigere ich mich, irgendeine Verfilmung des Buches zu schauen, denn ich möchte mir meine eigenen Bilder zum Buch nicht zerstören lassen. Anfang der 2000er Jahre habe ich mich an die Übersetzung von Wolfgang Krege gewagt, aber die Übersetzung durch Margaret Carroux ist mir lieber. Als Lesewunsch bleibt mir damit, auch die englische Originalfassung zu lesen.

  • 39. Emily Brontë: Wuthering Heights (dt.: Sturmhöhe)
    Es ist natürlich ein Klischee, aber tatsächlich hat mich Kate Bushs gleichnamiges Lied von 1978 das erste Mal auf den Roman Wuthering Heights aufmerksam gemacht. Einige Zeit später, Anfang der 1980er Jahre, lief im TV die Verfilmung mit Merle Oberon und Laurence Olivier als Kathy und Heathcliff. Nun wollte ich doch lesen, was es mit diesen stürmischen Höhen auf sich hat. Gelesen habe ich schließlich die deutsche Übersetzung durch Grete Rambach im Insel-Verlag. Der Roman bot damals immer wieder Gesprächsstoff mit meinen jeweiligen Lesefreundinnen.

  • 38. Charlotte Brontë: Jane Eyre (dt.: Jane Eyre)
    Von manchen Herren als »Gouvernanten-Roman« abgetan, ist Jane Eyre für mich Gesellschaftsroman, Liebesgeschichte und eine Geschichte über weibliche Selbstermächtigung und Selbstverwirklichung im viktorianischen Zeitalter. Der Roman, der zunächst unter einem männlichen Pseudonym erschien, hat fast 180 Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner Kraft und seinem treffenden Stil eingebüßt. Gelesen habe ich die Übersetzung durch Elisabeth von Arx, das englische Original wartet noch.

  • 37. William Lindsay Gresham: Nightmare Alley (dt.: Nightmare Alley)
    Anfang der 2010er Jahre kam der Sammelband Crime Novels: American Noir of the 1930s and 40s der Library of America in meine Bibliothek. Darin finden sich sechs Meisterwerke des US-amerikansichen Noir. Unter diesen sechs Romanen ist auch Greshams stockfinstere Geschichte Nightmare Alley, die im Milieu der »Carnies« spielt. Es sind Schausteller, Gaukler oder sogenannte Geeks, die zum Vergnügen des Publikums zum Beispiel lebenden Hühnern den Hals durchschneiden und dann deren Blut trinken. Hauptfigur des Romans ist der charismatische und toxische Stanton Carlisle, der sich als Mentalist ausgibt und seine Mitmenschen manipuliert. Ein sehr US-amerikanisches Buch, das angesichts des Settings und der Charaktere nur dort entstehen konnte. Literaturkritiker Michael Dirda nennt den Roman ein »unheimliches, nur allzu erschütterndes Meisterwerk« – und damit liegt er richtig.

  • 36. Wilkie Collins: The Woman in White (dt.: Die Frau in Weiß)
    »Dann lasse ich die Romanfiguren doch selbst zu Wort kommen« – dies mag sich Wilkie Collins gedacht haben, als er seinen schauderhaft-schönen Sensationsroman schrieb. So setzt sich der Roman aus Berichten und Briefen verschiedener Personen zusammen, die sich nach und nach dem Geheimnis eben jener »Frau in Weiß« nähern. Zum weiteren Figuren-Ensemble gehören echte Schurken und selbstverständlich ein viktorianisches Liebespaar. Ein spannender Unterhaltungsroman, der den Vergleich mit all den aktuellen »Romantasys« und »Dark Romance«-Schinken auf jeden Fall Stand hält. Meine Empfehlung: Die deutsche Übersetzung durch Arno Schmidt. Oder das englische Original.

  • 35. Armistead Maupin: The Logical Family : A Memoir (keine deutsche Übersetzung bekannt)
    Maupins Autobiographie beginnt und endet auf dem Friedhof in Raleigh. Dazwischen liegt ein bewegtes, buntes und begegnungsreiches Leben. In meiner Besprechung habe ich es die Memoiren eines Humanisten genannt – und genau das ist der Schöpfer der wundervollen Stadtgeschichten (siehe Nummer 15): Ein Mensch, der über das Menschsein schreibt. Das diese Autobiographie immer noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, ist ein großes Manko.

  • 34. Patricia Highsmith: Edith’s Diary (dt.: Ediths Tagebuch)
    Die Realität sollte verboten werden. Da das nicht funktioniert, hilft nur die Flucht, etwa in ein Tagebuch. So schreibt sich die Hausfrau Edith Howland eine Gegenwelt zu ihrem Ehemann, der sie wegen einer anderen verlässt, zu ihrem nichtsnutzigen Sohn und zum schwerkranken George, dem Onkel ihres Mannes. Ein sezierender Blick auf die angebliche »Stütze der Gesellschaft« – der Familie. Bitterböse.

  • 33. A. S. Byatt: Possession (dt.: Bessesen)
    Literaturwissenschaft als Liebes- und Krimigeschichte – das passt bei der britischen Autorin Antonia Susan Byatt wunderbar zusammen. Zumal, wenn der Forschungsgegenstand der beiden Literaturwissenschaftler Maude Bailey und Roland Michell jeweils Dichter des viktorianischen Zeitalters sind. Ein sehr britischer Roman, den ich nach über 30 Jahren gerne einmal wieder lesen möchte.

  • 32. Juan Rulfo: Pedro Páramo (dt.: Pedro Páramo)
    Es ist der Roman, in dem der junge Juan bei der Suche nach seinem Vater mit den Toten spricht. Es ist zudem der Roman mit sprechenden Namen (Pedro – Stein, Páramo – Brache). Ein Roman über die Suche nach dem Vater, die mir selbst wohlbekannt war. Denn auch ich bin ohne Vater aufgewachsen, meiner starb vor meiner Geburt. Neben der Vatersuche ist es auch ein Roman über die Wirren der mexikanischen Revolution. Borges nannte das Buch einen der besten Roman der spanischen Literatur – und wer wollte dem obersten Bibliothekar schon widersprechen?

  • 31. Maxie Wander: Leben wär’ eine prima Alternative
    Die Sammlung von Tagebucheinträgen und Briefen der in Wien geborenen Autorin Maxie Wander kam zu mir als sehr junger Mensch. Krankheit und Tod hatte schon damals immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt – mein Vater starb, als meine Mutter schwanger mit mir war, ich erlebte, wie meine Mutter zunächst meine Oma und dann meinen Opa pflegte. Wanders Textfragmente halfen mir dann auch immer wieder, mit dem allgegenwärtigen Tod besser umzugehen. Sie berichtet in dem Buch von ihrer Krebserkrankung, von ihren Hoffnungen, ihren Lektüren (sie war es, die mir damals Saul Bellow ins Bewusstsein brachte), ihren Ängsten. Ich bin bis heute dankbar für dieses Buch. Viele Jahre später trat dann das folgende Buch in mein Leben.

  • 30. Joan Didion: The Year of Magical Thinking (dt.: Das Jahr magischen Denkens)
    Die US-amerikanische Autorin und Journalistin Joan Didion beschreibt in ihrem Buch The Year of Magical Thinking die Trauer um ihren verstorbenen Mann John Gregory Dunne. Er starb am 30. Dezember 2003, kurz nachdem das Paar mit der lebensbedrohlichen Krankheit ihrer Tochter konfrontiert wurden. Trauer, Leid, Verlust und ein Leben, das sich in jeder Sekunde ändern kann, sind die Themen, die Didion hier sehr persönlich und nachvollziehbar aufbereitet. Vielleicht das aufrichtigste Buch auf dieser Liste.

  • 29. Karl Philip Moritz: Anton Reiser
    In seiner trockenen Prosa und mit dem herb-sensiblen Charakter seiner Hauptfigur ist der Anton Reiser nun wahrlich keine leichte und auch keine fröhliche Lektüre. Die Entwicklung des jungen Anton, der zunächst Prediger werden will, dann jedoch von der Lesesucht gepackt wird und schließlich das Theater als seine Berufung ansieht, ist beeindruckend. Vor allem aber hat hier jemand 1785/86 einen Roman veröffentlicht, der »psychologisch« ist, lange, bevor es Sigmund Freud gegeben hat. Ein Roman, der drastisch und anschaulich die Qualen eines jungen Menschen beschreibt, die vermutlich nicht wenige Jugendliche kennen. Zeitlos.
    Siehe auch: #MeinKlassiker (33): Die Entdeckung der Empfindsamkeit mit «Anton Reiser» auf dem wunderbaren Blog von Birgit Böllinger.

  • 28. Alexander Chee: The Queen of the Night
    (keine deutsche Übersetzung bekannt)
    Gäbe es in der Literatur einen korrespondierenden Begriff zu »Kostümfilm«, könnte Alexander Chee’ historischer Roman The Queen of the Night zu Recht als »Kostümroman« charakterisiert werden. Kleider werden in einem atemberaubenden Tempo gewechselt, ihre Formen, Farben und Materialien ausführlich beschrieben. Diejenige, die hier von einem Gewand in ein anderes schlüpft, ist Lilliet Berne, eine umschwärmte Opernsängerin, gesegnet mit der seltenen Gabe einer Falcon-Stimme.
    Als ihr eine neue Rolle angetragen wird, erschrickt sie: Denn das Libretto erzählt ihre eigene Geschichte, die sie – auch Dank der wechselnden Kostüme – zu verbergen sucht. Denn ihr Leben begann einst in den USA.
    Alexander Chees grandioser historischer Roman ist detailreich, farbenfroh und sehr, sehr spannend. Leider hat sich bislang kein deutscher Verlag an eine Übersetzung getraut. Ein Verlust!

  • 27. Marie Luise Kaschnitz: Der alte Garten – Ein Märchen
    Zu Gärten hatte ich seit meiner Kindheit ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits mag ich sie, andererseits hat mir die Gartenarbeit, zu der ich schon als Kind gezwungen war, die Freude daran verdorben. Versöhnt hat mich Marie Luise Kaschnitz’ Märchen vom alten Garten, in den zwei Kinder eindringen und beginnen, ihn zu zerstören. Doch der Garten und seine Geister wehren sich. Ein Buch, das auf jeden Fall in meine romantische Phase gehört.

  • 26. Johann Wolfgang von Goethe: Die Wahlverwandtschaften
    Chemie war nie meine Sache. Einzige Ausnahme: Goethes Ehe- und Beziehungsroman Die Wahlverwandtschaften, in dem sich vier Menschen neu ineinander verlieben. Charlotte und Eduard leben als Ehepaar ein wohlhabendes, zurückgezogenes Leben. Dann treten der Hauptmann Otto, Freund von Eduard, und Ottilie, Nichte von Charlotte, in ihr Leben. Die Anziehungskräfte der vier Personen ändern sich, Charlotte fühlt sich zum Hauptmann hingezogen, Eduard zu Ottilie. Die Grundidee aus der Chemie: Zwei Elemente lösen sich von einander, wenn ein weiteres Element hinzukommt, zu dem es eine stärkere Affinität gibt. Während das bei chemischen Elementen ohne Wertung abläuft, endet es bei Goethes tragisch. Was natürlich die Frage aufwirft: Ist Liebe vielleicht einfach nur Chemie?

25 bis 1: Freuden der Jugend, Freuden der Lektüre und Entschleunigung mit Stifter

  • 25. Denton Welch: In Youth Is Pleasure (dt.: Freuden der Jugend)
    Mit gerade mal 33 Jahre starb 1948 der britische Schriftsteller Denton Welch. Nach einem Fahrradunfall war er querschnittsgelähmt, weshalb er seine Karriere als Maler nicht weiter verfolgen konnte. Dafür schrieb er bildstarke Romane, Gedichte und ein Tagebuch. Sein wohl wichtigster Roman ist In Youth Is Pleasure, der die Sommerferien des Internatsschülers Orvil Pym beschreibt. Stundenlang streift Orvil durch versteckte Gärten an der Themse entlang. Welch fängt diese Spaziergänge in einer eindrucksvollen, plastischen Sprache ein. Kurzer und kurzweiliger Roman, der unter anderem von Edith Sitwell geschätzt wurde.

  • 24. William Somerset Maugham: Of Human Bondage (dt.: Der Menschen Hörigkeit)
    Als junger Mensch liest man vermutlich gerne Entwicklungsromane oder – wie es heute heißt: Coming-Of-Age-Romane. So erging es mir jedenfalls in meinen jungen Leserjahren. Besonders die Geschichten sensibler Charaktere hatten es mir angetan, wie zum Beispiel die von Philip Carey, der nach dem Tod seiner Mutter bei seinem lieblosen Onkel aufwächst. Philip leidet unter einem Klumpfuß. Nach Abstechern in die Philosophie und Kunst studiert er Medizin und verliebt sich unglücklich die Kellnerin Mildred, die ihn allerdings nur ausnutzt. Of Human Bondage weist einige biographische Bezüge zu seinem Autor auf, besticht zudem durch die psychologische Tiefe seiner Hauptfigur Philip.
  • 23. Marguerite Yourcenar: Mémoires d’Hadrien (dt.: Ich zähmte die Wölfin : Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian)
    In ihrem historischen Roman schlüpft die belgisch-französische Schriftstellerin Yourcenar in die Haut des römischen Kaisers Hadrian. Hadrian weiß, dass er bald sterben wird und schreibt für seinen »Marcus« (gemeint ist Marc Aurel) sein Lebenserinnerungen auf. Das Buch fasziniert durch die intensive Gefühlswelt, die Yourcenar ihrem Hadrian verleiht, so dass ich als Leser tatsächlich denke, diese Erinnerungen wurden vom sterbenden Kaiser selbst verfasst. Ein großartige Fiktion!

  • 22. Oscar Wilde: The Picture of Dorian Gray (dt.: Das Bildnis des Dorian Gray)
    Eine phantastische und phänomenale Idee: Statt des eigenen Körpers altert das gemalte Ebenbild. Man selbst bleibt strahlend jung, während sich die Spuren eines lasterhaften Lebens auf der Leinwand einbrennen. So ergeht es dem Dandy Dorian Gray, der sich die ewige Jugend wünscht und sie auch bekommt. Oscar Wildes einziger Roman war für mich Anfang der 1980er Jahre eine der ersten Begegnungen mit englischer Literatur. Ein vielleicht ungewöhnlicher Einstieg, galt der Roman damals auch als »schwules« Buch, was ich als junger Mann nicht wirklich verstanden habe. Vielleicht sollte ich eine Lektüre des englischen Originals wagen, damals las ich die Übersetzung von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer.

  • 21. Elsa Morante: La Storia (dt.: La Storia)
    Der Roman erzählt die Geschichte der jüdischen Lehrerin Ida, die während des Zweiten Weltkriegs versucht, mit ihren beiden Söhnen Nino und Useppe in Rom zu überleben. Als Kontrast zu diesem harten Überlebenskampf setzt Elsa Morante zeitgeschichtliche Ereignisse, so dass immer wieder deutlich wird, wie sich die »große Geschichte« auf das Leben der »einfachen Leute« auswirkt. Morante hatte bei der Erstveröffentlichung 1974 ihres Buches darauf gedrängt, das ihr Buch möglichst preiswert verkauft werden sollte. Tatsächlich wurde es ein Bestseller, obwohl die damalige Literaturkritik mit Verrissen auf den Roman reagierten.

  • 20. Edwin Frank: Stranger than Fiction : Lives of the Twentieth-Century Novel (dt.: Stranger than Fiction : Das 20. Jahrhundert in 30 Romanen)
    Es gibt Literaturgeschichten, die sind sehr gut recherchiert und fundiert, erfüllen letztlich aber auch nur ihre Chronistenpflicht. Und es gibt Literaturgeschichten, die in mir den unbedingten Lesedrang auslösen und schlichtweg Lust auf die vorgestellten Bücher wecken. Dies ist bei Stranger than Fiction absolut gegeben. Autor Edwin Frank stellt 33 Romane in ihren historischen Kontext und zeigt auf kluge Weise die Wechselwirkung zwischen Geschichte und Literatur auf.
    Siehe auch: »Eine lange Geschichte, in der etwas nicht stimmt – Anmerkungen zu »Stranger than Fiction« von Edwin Frank« in diesem Blog.

  • 19. Joseph Hansen: The Dave Brandstetter Mysteries
    (diverse deutsche Übersetzungen, leider bislang nicht vollständig)
    Zwölf Kriminalromane umfasst die Serie des US-amerikanischen Autors Joseph Hansen um den schwulen Versicherungsdetektiv Dave Brandstetter. Leider wurden nur die ersten sechs Bände bislang ins Deutsche übertragen und auch die US-amerikanischen und britischen Verlage haben sich nicht mit Ruhm bekleckert, was die Veröffentlichung dieser großartigen Krimireihe betrifft. Die Romane, die zwischen 1970 und 1991 erschienen sind (und auch spielen), stehen von ihrer literarischen Qualität und ihrer stilistischen Modernität gleichrangig mit den Werken von Hammett oder Chandler. Nicht nur, dass sein Antiheld Brandstetter schwul ist, im Laufe der Erzählungen altert er auch vor den Augen des geneigten Publikums. Hansen schrieb realitätsnahe Kriminalromane, deren Bravour zeitlos ist. Ganz, ganz große Leseempfehlung!

  • 18. Fjodor M. Dostojewski: Братья Карамазовы (dt.: Die Brüder Karamasow)
    In meiner dtv-Taschenbuchausgabe steht, dass die Karamasows am 22. November 1985 in Bonn in mein Leben traten. Damals kaufte ich das Buch in einer der schönen, großen Buchhandlungen und begann im Winter mit der Lektüre. Sollte ich die Handlung nacherzählen, ich käme in Verlegenheit. Ich erinnere mich dunkel an drei Brüder, die um das Erbe ihres Vaters streiten und wer ihn den nun ermordet hat. Dennoch muss das Buch seinerzeit einen Eindruck auf mich gemacht haben, weil die Stimmung so finster war und meiner düsteren Wintermelancholie entsprach. Die damalige Übersetzung stammt von Hans Ruoff und Richard Hoffmann. Jahre später kam dann die Übertragung von Swetlana Geier in meine Bibliothek – vielleicht sollte ich diese endlich einmal lesen.

  • 17. Carlos Ruiz Zafón: El cementerio de los libros olvidados (dt.: Friedhof der vergessenen Bücher)
    Tetralogie über die Buchhändlerfamilie Sempere in Barcelona, die die vier Romane
    La sombra del viento (dt.: Der Schatten des Windes), El juego del ángel (dt.: Das Spiel des Engels), El prisionero del cielo (dt.: Der Gefangene des Himmels) und El laberinto de los espíritus (dt.: Das Labyrinth der Lichter) umfasst.
    Zeitlich angesiedelt zwischen dem Vorabend des spanischen Bürgerkrieges und der Franco-Zeit bis hinein in die 1960er Jahre spannen die vier Romane einen handlungsintensiven Bogen und überzeugen zudem als gesellschaftspolitisches Panorama mit dezenten Spuren von magischem Realismus und Krimi. Überhaupt: Eine Figur wie Fermín Romero de Torres vergisst man nicht so schnell.
    Siehe auch: Der Kaffeehaussitzer hat die Romane ausführlicher in seinem Blog besprochen.

  • 16. Elias Canetti: Die Blendung
    Er ist das Gegenteil des hilfsbreiten und freundlichen Büchermenschen: Der Sinologe Peter Kien, Hauptfigur von Elias Canettis Debütroman Die Blendung. Kien lebt mit 25.000 Büchern in einer kleinen Wohnung und widmet sich ganz seinen Forschungen. Er heiratet seine Haushälterin Therese Krumbholz, eine ungebildete und geldgierige Frau. Ein Kampf zwischen »Idealismus« und »Materialismus« beginnt, der Kien am Ende in den Wahnsinn treibt. Frauenhass, Antisemitismus und unsympatische Figuren – nichts an dem Roman ist »schön«, die Prosa staubtrocken und nüchtern. Dennoch: Der Roman, der 1936 erstmals erschien, kann auch als Warnung vor dem Faschismus gelesen werden. Die Blendung ist auch deshalb immer noch aktuell.

  • 15. Armistead Maupin: Tales of the City (dt.: Stadtgeschichten)
    Mittlerweile umfasst die Reihe über die Bewohner der Barbary Lane 28 in San Francisco insgesamt zehn Romane. Da ich die letzten vier noch nicht gelesen habe, beschränke ich mich hier auf die ersten sechs Kernromane, die in der Zeit von 1978 bis 1989 erschienen sind und ein prächtiges Panorama dieser Jahre aufzeigen. Die Hippie-Zeit in San Francisco ist vorbei, die 1980er Jahre sind mit Mode, Musik und dem Muff der Reagan-Jahre eingezogen. Maupin schafft in seinen Romanen immer wieder zeitgeschichtliche Bezüge, wie zum Beispiel das Selbstmord-Massaker von Jonestown oder die aufziehende AIDS-Krise. Den düstern Begebenheiten setzt er als Kontrapunkt die wunderbare Hausgemeinschaft der Transfrau Anna Madrigal in der Barbary Lane entgegen. Rachel Maddow kommentiert es im Vorwort zur Hörbuchfassung der Romane so: Wenn Du erst einmal dort eingezogen bist, willst Du nie wieder weg!

  • 14. Edward Frederic Benson: Mapp and Lucia Series (dt: Die Mapp und Lucia Romane)
    Gleich noch eine Reihe: Sechs Romane umfassen die Mapp und Lucia Romane, die hierzulande – obwohl vollständig übersetzt – kaum Aufmerksamkeit erhielten. Generell hat es der Unterhaltungsschriftsteller E.F. Benson – für seine Freunde und Fans »Fred« – im deutschsprachigen Literaturbetrieb schwer. Die sechs Romane – Queen Lucia (dt.: Queen Lucia auf dem Lande), Miss Mapp (dt.: Miss Mapp), Lucia in London (dt.: Lucia in London), Mapp and Lucia (dt.: Mapp und Lucia), Lucia’s Progress (dt.: Lucia im Aufwind) und Trouble for Lucia (dt.: Lucia in Nöten) wurden zwischen 1920 und 1939 veröffentlicht und schildern farbenfroh das Leben und die Intrigen in zwei englischen Dörfern, in denen die jeweiligen Titelheldinnen Mrs. Emmeline »Lucia« Lucas und Miss Elizabeth Mapp um die Vorherrschaft kämpfen.
    Böse, spitzfindig und mit grandios gezeichneten Charakteren bevölkert, sind die Mapp und Lucia Romane kluge Unterhaltung, die bedeutend mehr Leserinnen und Leser verdient hätten. Die deutschen Übersetzungen sind derzeit nur antiquarisch erhältlich, während E.F. Benson in Großbritannien fast als Kultautor gilt, auch über 80 Jahre nach seinem Tod. Bücher für schlechte Tage.

  • 13. Gabriel García Márquez: Cien años de soledad (dt.: Hundert Jahre Einsamkeit)
    »Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendía sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen.«
    Wieder so ein erster Satz für die Ewigkeit. Mit ihm beginnt die Familiengeschichte der Buendías in dem fiktiven Dorf Macondo. Ein Roman über eine weit verzweigte Familiendynastie, der auch immer als Allegorie auf die geschichtliche Entwicklung Lateinamerikas gelesen werden kann und dessen »Magischer Realismus« europäische Leserinnen und Leser verzaubert. Während der Boomzeit der Lateinamerikanischen Literatur in den 1970er und 1980er Jahren war Gabriel García Márquez nicht aus den Leselisten wegzudenken. Zum Glück!

  • 12. Edward Bulwer-Lytton: What will he do with it? (dt.: Was wird er damit machen? Nachrichten aus dem Leben eines Lords)
    Die üppige Literatur des viktorianischen Zeitalters hat wunderbare Werke hervorgebracht. Bulwer-Lyttons umfangreicher Roman What will he do with it? hat hierzulande durch die Übersetzung von Arno Schmidt Bekanntheit erlangt, bevor er dann wieder in der Versenkung verschwunden ist. Schade eigentlich, denn gerade die Übersetzung von Schmidt ist pure Lesefreude. Eine kraftvolle Geschichte mit plastischen Charakteren, die einem Dickens durchaus Konkurrenz macht. Empfohlen von meiner damaligen bibliothekarischen Mentorin Henny.

  • 11. Choderlos de Laclos: Les liaisons dangereuses (dt.: Gefährliche Liebschaften)
    Wer hätte gedacht, dass ein Briefroman so fesselnd sein kann. Rache, Intrigen und die titelgebenden gefährlichen Liebschaften – all das versammelt der Roman in atemberaubenden Ränkespielen zwischen der Marquise de Merteuil, dem Vicomte de Valmont, der Madame de Tourvel sowie der jungen Cécile de Volanges. Lächele, während Du Dir mit der Gabel in den Handrücken stichst.
    Gelesen habe ich die Übersetzung durch Franz Blei.

  • 10. Umberto Eco: Il nome della rosa (dt.: Der Name der Rose)
    Es war ein Weihnachtsfest Mitte der 1980er Jahre, als ich das Buch Der Name der Rose geschenkt bekam. In meiner Erinnerung und bis heute das schönste Weihnachtsgeschenk für mich. Noch an den Weihnachtstagen begann ich mit der Lektüre, war froh über die Übersetzungen der lateinischen Passagen (obwohl ich Latein in der Schule gelernt hatte) und wunderte mich über die beiliegende Karte mit den »Dramatis Personae« (den Begriff kannte ich bis dahin nicht.)
    Ecos Geschichte über die grausamen Vorfälle in einer Benediktiner-Abtei las ich zunächst als Krimi, dann aber auch als Gesellschaftspanorama des Mittelalters und Geschichte der christlichen Religion und der Aufklärung. Meine romantische Vorstellung (und Verklärung) des Bibliothekars wurde mit voller Wucht bestärkt und überhaupt: Ohne Eco wäre ich vielleicht nie Bibliothekar geworden. Interessanterweise kursierte das Buch einige Jahre später – ich begann mein Studium 1987 – bei meinen Mitstudenten. Da war ich schon tief eingetaucht in die geheimnisvolle Bibliothek und ihre gefährlichen Wahrheiten. Natürlich musste man dann damals als Ergänzung das Sachbuch A Distant Mirror – The Calamitous 14th Century (dt.: Der ferne Spiegel – Das dramatische 14. Jahrhundert) von Barbara Tuchman lesen.

  • 9. Marcel Proust: Sur la lecture (dt.: Tage des Lesens)
    Drei Versuche habe ich bislang unternommen, Marcel Prousts Wunderwerk À la recherche du temps perdu zu lesen, drei Mal bin ich gescheitert. Dafür ist aber Proust kleiner, feiner Essay Sur la lecture (dt.: Tage des Lesens) in Erinnerung geblieben. Gleich der erste Satz ist ein Zauberspruch für das Lesen, der mich seit meiner Jugendzeit begleitet: »Es gibt vielleicht keine Tage unserer Kindheit, die wir so voll erlebt haben wie jene, die wir glaubten verstreichen zu lassen, ohne sie zu erleben, jene nämlich, die wir mit einem Lieblingsbuch verbracht haben.«
    Ich würde sagen: Amen!

  • 8. Lew Tolstoi: Анна Каренина (dt.: Anna Karenina)
    Tolstois Krieg und Frieden habe ich, obwohl in meinem Regal drei unterschiedliche deutsche Übersetzungen stehen, bislang noch nicht geschafft. Dafür aber mit großer Begeisterung Anna Karenina. Mit seinem ersten Satz »Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise« gibt Tolstoi eigentlich das Grundmotiv vieler nachfolgender Familienromane vor. Die tragische Geschichte von Anna Karenina habe ich erstmals im verschneiten Sauerland gelesen und seitdem verbinde ich bestimmte Szenen des Romans mit bestimmten Wegstellen meiner damaligen Spaziergänge. Literatur wirkt eben auch in die Realität hinein. Gelesen habe ich die Übersetzung durch Fred Ottow.

  • 7. Gustave Flaubert: Madame Bovary. Mœurs de province (dt.: Madame Bovary. Sitten in der Provinz)
    Wo Anna Karenina ist, da sollte Emma Bovary nicht weit sein. An dem Schicksal der Ehebrecherin Emma Bovary kam ich, wie viele andere, schon als junger Mann nicht vorbei. Tatsächlich habe ich Emma Bovary vor Anna Karenina kennengelernt. Der Realismus von Flaubert ist bewundernswert, die Figur tragisch, die Geschichte aufwühlend. Ein magischer Erzähler ist dieser Flaubert und Madame Bovary sein Meisterwerk.

  • 6. Alberto Manguel: A History of Reading (dt.: Eine Geschichte des Lesens)
    Als Bibliothekar ist Manguels wundersames Sachbuch A History of Reading beinnahe Fach- und Berufslektüre. Faktenreich und durch unaufdringliche persönlichen Anekdoten aufgelockert ist es eine große Liebeserklärung an das Lesen. Meine Lieblingsszene: Als der junge Alberto dem großen argentinischen Schriftsteller und Bibliothekar Jorge Luis Borges vorliest, weil dieser erblindet ist. Eindrucksvoll.

  • 5. Helen Eustis: The Horizontal Man (dt.: Die Nacht der bösen Träume)
    Dass Kriminalromane von manchen Kritikern als zweitklassige »Genre Fiction« abgetan werden, könnte darauf hindeuten, dass diese einfach keine guten Krimis lesen. Helen Eustis Roman The Horizontal Man ist so ein – zu oft – übersehener Kriminalroman. Der Roman spielt an einem Frauen-College in Neuengland, an dem der Englischprofessor Kevin Boyle unterrichtet. Als er ermordet wird nimmt die Studentin Molly die Schuld auf sich und behauptet, sie sei die Mörderin. Doch: Das erscheint kaum möglich. Eine illustre Schar von College-Angehörigen muss sich nun mit den Folgen des Mordes beschäftigen. Dabei wirft Eustis auf grandiose und amüsante Weise stereotype Geschlechterrollen über den Haufen. Stilistisch fast ein postmoderner Roman, der allerdings schon 1946 erschienen ist. Gelegentlich wirkt der Roman auf mich wie ein Gegenentwurf zu Dorothy L. Sayers Gaudy Night (siehe Platz 96), der bereits 1935 erschienen ist und wie The Horizontal Man an einer Frauenuniversität spielt.

  • 4. Paul Kornfeld: Blanche oder das Atelier im Garten
    Neben ihren erzählten Geschichte haben manche Bücher eine eigene Publikationsgeschichte. So auch Kornfelds Roman Blanche oder das Atelier im Garten, der erstmals 1957 durch Ernst Rowohlt veröffentlicht wurde – 15 Jahre nach dem Tod des Autors im Ghetto Litzmannstadt. Das Manuskript, an dem Kornfeld seit 1933 geschrieben hat, konnte kurz vor der Deportation des Autors von einer Bekannten gerettet werden. Über verschiedene Umwege gelangte die Geschichte der verträumten Blanche Riedinger schließlich in die Hände des Verlegers.
    Der Roman erzählt von eben jener titelgebenden Blanche, die auf nicht ganz korrekte Weise sich in einem kleinen Gartenhaus ein Atelier einrichtet, um ihren künstlerischen Neigungen nachzugehen. Dort schreibt sie Briefe an einen Freund, der nur in ihrer Phantasie existiert. Als die unrechtmäßige Anmietung des Ateliers auffliegt, verliert Blanche ihre gesamte Existenz.
    Eindrucksvoll und in wunderbaren Dialogen erzählt Kornfeld eine Geschichte über den Einbruch der Barbarei in die Welt der Kunst. Der Roman wurde immer wieder mal aufgelegt, zuletzt 1998 bei »Schöffling & Co.« und wurde von der Kritik danach herablassend als »Antiquität« belächelt. Für mich völlig unverständlich, ist er doch großartig komponiert und zeigt die Wandlung des Expressionisten Kornfeld hin zu einem genauen Beobachter und Erzähler. Mich begleitet Blanche seit 1989 – und das wird sie auch weiter tun. Zeitlos.

  • 3. Adalbert Stifter: Der Nachsommer
    Natürlich kann man den österreichischen Schriftsteller Stifter als biedermeierlichen Langweiler belächeln. Dennoch: Stifters Hauptwerk Der Nachsommer entfaltet mit seinem behäbigen Stil und seiner Detailverliebtheit einen eigenen Lesesog, dem ich mich als junger Mann kaum entziehen konnte. Der Bildungsroman ist auch eine interessante Utopie mit beeindruckenden Naturbeschreibungen. Vergesst für einen Moment diesen »Healing Literature«-Hype – entschleunigt Euch mit Stifter!

  • 2. Janet Frame: An Angel at My Table (dt.: Ein Engel an meiner Tafel)
    Dreiteilige Autobiographie der neuseeländischen Schriftstellerin Janet Frame, deren Verfilmung 1990 durch Jane Campion der Autorin und ihrem Werk neue Aufmerksamkeit schenkte. Frame ist als junge Frau durch die Hölle gegangen. Sie wächst auf in einer verarmten Familie, wird in der Schule gehänselt und schafft sich in ihrer Phantasie eine rettende Gegen- und Lebenswelt.
    Da sie sich »anders« fühlt, geht sie freiwillig in eine psychiatrische Klinik, wird aufgrund der (falschen) Diagnose »Schizophrenie« mit Elektroschocks behandelt. Kurz bevor sie sich einer Lobotomie unterziehen soll, rettet sie ein Literaturpreis, den sie verliehen bekommt. Schreiben und Literatur als Überlebensstrategie. Absolut stark!

  • 1. Charles Dickens: Bleak House (dt.: Bleak House)
    Es ist vielleicht der perfekteste Roman, den ich bisher in meinem Leben gelesen habe. Natürlich: Es fehlen viele, viele Meisterwerke in meiner Lesebiographie. Von denen, die ich jedoch gelesen habe, nimmt mich die Geschichte um den ewig dauernden Erbstreit »Jarndyce gegen Jarndyce« mit ihrem gesellschaftskritischen Blick, ihren lebensnah beschriebenen Charakteren und ihrem trüben, britischen Setting sehr ein. Dickens ist eben Dickens.

Bücher – gibt es etwas Schöneres?

Danke, dass Du bis hierhin durchhalten hast. Wie schon oben geschrieben, es fehlen viele, viele Werke der sogenannten Weltliteratur. Aber was ist das überhaupt? Es ist mir zum Beispiel bei meiner Zusammenstellung sehr deutlich geworden, dass ich große, blinde Flecken bei bestimmten Kontinenten – zum Beispiel Afrika oder Asien – habe. Andererseits kann ich bestimmte Vorlieben nicht verleugnen, etwa meine Liebe zur englischsprachigen Literatur. That’s the way it is.

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweise: Trotz nachträglicher Recherchen, umfangreichem Nachblättern und intensivem Nachlesen bereits gelesener Bücher haben sich vermutlich auch einige Fehler eingeschlichen. Dafür entschuldige ich mich, möchte aber daran erinnern, dass bei manchen Büchern die Lektüre schon vierzig Jahre oder mehr zurückliegt. Mein Gedächtnis und mein Gehirn haben in den vergangenen Wochen Hochleistungssport betrieben, da bitte ich bei Erinnerungslücken um Nachsicht.

Schönes Lesen noch!

Über den Nachtbibliothekar

Karl Ludger Menke

human since 1966 | librarian since 1992 | dj since 1994 | online editor since 1999 | blogger since 2005 | head of a public library since 2022 | t.b.c.

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