Nachtbibliothek Gelesen wird ja immer

Die Literatur und die Stille

D

Von der »Regalreise« zur »Nachtbibliothek«

Fiction works

»I took note of what he said and in future I refrained from ‚babbling‘, but it was not until I had been writing regularly each day that I understood the importance to each of us of forming, holding, maintaining our inner world, and how it was renewed each day on waking, how it even remained during sleep, like an animal outside the door waiting to come in; and how its form and power were protected most by surrounding silence. My hurt at being called a ‚babbler‘ faded as I learned more of the life of a writer.«

– Janet Frame: An Autobiography, p. 247

Die Aufrechterhaltung der Innenwelt ist Notwendigkeit und Lebensgrundlage der Literatur zugleich. Janet Frame beschreibt es in diesem Zitat schön und klar. Nach dem sie bei ihrem Mentor Frank Sargeson eingezogen ist, unterstellt er ihr, eine Schwätzerin zu sein. Die Stille schützt die Innenwelt, lässt sie wachsen und kraftvoll werden – bis hin zur Literatur, die daraus entsteht. 

Meine Verehrung für Janet Frame rührt aus ihren Geschichten und ihrem Leben, das sie in ihrer Autobiographie aufgeschrieben hat. Jane Campion, die diese Autobiographie verfilmt und für die Buchausgabe ein Vorwort verfasst  hat, beschreibt Janet Frame als eine Frau, die eine »seltene Form der Freiheit« erreicht hat. Weil sie Weihnachten nicht mit Familie oder Freunden verbringt, sondern mit den Schwestern Brontë, Emily und Charlotte. 

Ich habe vor zwei Jahren mein Weihnachtsfest mit Janet Frame verbracht, die Verfilmung von Jane Campion einmal mehr angeschaut und in ihrer Autobiographie gelesen. Es sind diese Momente, die mir Literatur schenkt, eine verdichtete Glückseligkeit und die Möglichkeit, die fremde Innenwelt von Autorinnen und Autoren aufzuspüren. In der Stille der Nacht, die ich mir in einer geschwätzigen Zeit – aber wann waren die Zeiten nicht geschwätzig? – herausgenommen habe. Und im All-Ein-Sein, das wiederum dafür notwendig ist. 

Logbuch einer Nachtbibliothek

Es sind diese Leseerfahrungen, die wirken und die ich hier in der Nachtbibliothek aufzeichnen möchte. Es ist mein nächster Schritt zurück zu »meinen« Büchern. Literatur, Fiktion, Geschichten waren lebensnotwendig für mich und werden es künftig auch bleiben. Nein, das ist kein künstlich erzeugtes Drama – es ist meine Erfahrung. Ohne Bücher würde ich vermutlich nicht mehr leben. 

Als ich kürzlich die Domain für diese Blog registrierte, wusste ich nicht, dass es ein gleichnamiges Buch, eine Graphic Novel, gibt. Sehen Sie mir dies bitte nach. Wenn Ihnen hier und da noch das alte Blog »Regalreise« über den Weg läuft, so sei nur kurz gesagt, dass ich es aus technischen Gründen schließen musste und daraus die »Nachtbibliothek« entstanden ist. 

Wie schon bei der »Regalreise« werden schwule und queere Literatur, Biographien und Klassiker, hauptsächlich aus dem englischsprachigen Raum, den Schwerpunkt bilden. Sie stehen meiner inneren Welt näher, als andere Bücher. Sollte ich beginnen, schwatzhaft zu werden, dann bitte ich schon jetzt um Entschuldigung – ich hoffe, ich kann es vermeiden. 

Jetzt gilt es, wieder zu lernen, ein Buchblog – nichts anderes ist dies hier – zu schreiben und zu pflegen. 

Lesen Sie wohl! 

Über den Nachtbibliothekar

Karl Ludger Menke

human since 1966 | librarian since 1992 | dj since 1994 | online editor since 1999 | blogger since 2005 | t.b.c.

Kommentieren

Nachtbibliothek Gelesen wird ja immer

Letzte Geschichten

Karl Ludger Menke

human since 1966 | librarian since 1992 | dj since 1994 | online editor since 1999 | blogger since 2005 | t.b.c.

Catch me if you can